Quakenbrück hat seinen ersten Europameister - EM-Gold und Silber für Christian Gärtner

QTSV-Masters schwimmen eine sehr starke Europameisterschaft

Was war nicht alles im Vorfeld über die EM in London geschrieben worden. Aber die vielen Skeptiker behielten Unrecht und die fünftägige EM im Aquatics Centre im Queen Elizabeth Olympic Park wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Organisatoren mussten einen nie dagewesenen "Ansturm" von 10.000 Teilnehmern bewältigen. Knapp 25.000 Meldungen wurden am Ende für die fünftätige Veranstaltung notiert. Mit einer organisatorischen und kampfrichtertechnischen Meisterleistung schaffte es der Ausrichter "British Swimming" dieses Mega-Event zu bewältigen. Die getrennte Anreise des zehn Aktive umfassenden Teams erfolgte einen Tag vor Beginn mit dem Flugzeug über Bremen, Leipzig und München. Allen Unkenrufen zum Trotz verlief die notwendige Akkreditierung ohne Schlange und in Sekundenschnelle. Auch das Einschwimmen in beiden Becken gestaltete sich reibungslos. Ein leichtes Kribbeln umkam alle beim letzten leichten Training im großen olymischen Becken des Londoner Aquatics Centre am Tag vor dem Beginn.

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Am ersten Wettkampf war es dann jedoch erst einmal vorbei mit der Lässigkeit und dem Nicht-Schlange-Stehen. Die Security führte ein zu striktes Einlass-Regelement und achtete genau darauf, dass die max. mögliche Personenkapazität eingehalten wurde. So konnte Heiko Boknecht, der den ersten Start absolvierte, leider nicht zum Einschwimmen zugelassen wurde. Schnell wurden die Regeln jedoch geändert und optimiert. Ohne Einschwimmen, nur durch Warmmachen und Dehnübungen vorbereitet, ging es an den Start über 200m Lagen. Leider nicht im Pool 1, sondern im Pool 2, dem eigentlichen Einschwimmenbecken, leider auch ohne Zuschauer. Das Rennen beendete Heiko in Saisonbestzeit von 2:32,74 als Zwölfter seiner Alterskasse. Am Start waren hier z.B: 85 Teilnehmer. Ein guter EM-Auftakt. Die folgenden 800m Freistil schwamm kein QTSVer.

Am zweiten Wettkampftag ging es dann richtig los.Geschwommen wurden 200m Freistil, 50m Brust, 100m Schmetterling sowie 4*50m Freistil. Im Pool 1 schwammen die Herren, in Pool 2 die Damen. Als Erster war Christian Gärtner dran und rechnete sich Chancen auf eine Medaille aus. In einem taktisch klugen Rennen schwamm er hinter dem Führungstrio und schwamm mit einem fulminanten und sehenswerten Endspurt zum Sieg und zur Europameisterschaft über 200m Freistil in der Altersklasse 35. Der Jubel der Teamskameraden auf der Tribüne kannte keine Grenzen und sicher auch nicht bei den Zuschauern im Livestream - alle Rennen waren wie bei Elite-EM live im Internet zu sehen. In starken 1;59,51 siegte er vor dem Franzosen Loic Leroy (1:59,69) und dem Spanier Ricardo Salcedo Vega (1:59,82).  Dies war Christian größtes sportlicher Erfolg und der erste EM-Titel für einen Quakenbrücker Sportler.  Angespornt von diesem Erfolg schwamm kurze Zeit später Andreas Haidukiewitz auf Platz 11 in seiner Altersklasse 25 mit neuer persönlicher Bestzeit von 2:05,35. Als Favorit ging Christian bei den foglenden 100m Schmetterlng an den Start. In einem wiederum mitreißenden Rennen musste er nur dem Britten Alex Thurston (58,94) den Vortritt lassen - über 200m Freistil in 1:59,92 knapp an der Medaille vorbei. Den Slowenen Andrej Pirc (59,95) konnte er auf den dritten Platz verweisen. Im Pool 2 griff kurz danach Tina Tapken in ihre erste EM ein. Sie schwamm erstmals unter 1:10 und stellte in 1:09,77 eine neue Bestmarke auf (gleichzeitig VR und KR). Sie wurde damit hervorragende 14. Am Abend standen mit 4*50m Freistil der Damen und Männer die ersten Staffel-Highlights an. Erstmals gingen bei einer internationalen Meisterschaft QTSV-Quartetts an den Start. Den Anfang machten die Damen. Tina Tapken, Christina Spiske, Isa Schevzov und Marianne Bunselmeyer zeigten ein TOP-Rennen und steigerten ihren eigenen Rekord deutlich . In sehr guten 1:59,02 blieben sie deutlich und erstmals unter 2 Minuten und wurden hervorrgende 13. Die Männer mit Andreas, Pavel Schevzov, Stefan Middendorf und Christian bewiesen in 1:39,72 als Neunte, dass Staffeln unglaublich motivieren können. Auch sie verbesserten sich deutlich und schwammen wie die Frauen Kreisrekord. Als Startschwimmer schwamm zudem Andreas in 0:24,79 einen neuen Kreisrekord. Ende eines unglaublichen Tages.

Der dritte Wettkampftag begann wiederum mit einer 200m Strecke. Die beiden Schmetterlingsspezialisten Heiko und Tina schwammen hier fast gleichzeitig in Pool 2 und Pool 1. Früh am Morgen (8.30) schwamm in Pool 2 Heiko wiederum in Saisonbestzeit (2:31,45) auf Platz 5 vor, seine beste EM-Platzierung überhaupt. Nach schnellem Sprint zum Pool 1 konnte er noch Tina's Rennen erleben. In großartigen 2:39,15 gelang ein weiterer Rekord und Platz 12. In die TOP 20 als 14. in der AK 40 schwamm Christina Spiske mit neuem Vereinsrekord von 34,92 über 50m Rücken. Pavel gelang in den folgenden 100m Brust in 1:16,27 ein neuer Hausrekord. Sein viertes Rennen in zwei Tag bedeuteten 400m Freistil für Christian. Die Konkurrenz in seiner AK war sehr groß. Nach den anstrengenden Rennen des Vortages kam er in Saisonrekord von 4:22,31 auf Rang sechs. Beendet wurde der dritte Veranstaltungstag mit der 4*50m Lagen mixed Staffel. Hier gingen zwei Teams auf die Blöcke. In der Altersgruppe 160-199 Jahre schwammen Christina, Heiko, Christian und Marianne mit neuem Rekord und ebenfalls deutlicher Verbesserung in 2:04,61 auf Rang 13 bei 123 startenden Mannschaften. Die jüngere Mannschaft (100-119 Jahre) schwamm in 2:04,85 unwesentlich langsamer.  Als Startschwimmer stellte Andreas bereits seine dritte Bestzeit auf (31,08). Pavel, Tina und Isa freuten sich mit ihm mit Platz 8 über ene weitere TOP 10-Platzierung.

Den längsten Wettkampftag der EM-Geschichte erlebten die Teilnehmer und 3.000 Zuchauer am Samstag. Geschwommen wurde u.a. 50m Schmetterling und 100m Freistil. Hier gab es alleine 336 Läufe, also über 3.000 Starter. In diesen riesigen Starterfeld konnten weitere TOP20-Ränge realisiert werden. Martin Kesse schwamm in Saisonbestzeit vo 26,82 auf Platz16 in der AK 25 über 50m Schmetterling. Andy erorberte Rang 19 in 27,02. Pavel schwamm Bestzeit in 28,62. Tina hatte in 31,87 keine guten Tag, konnte es sich nicht erklären, warum sie langsamer als bei der 100m Zwischenzeit war. Die 100m Freistil zogen sich natürlich. Andreas war dies egal, er war absolut auf sein Rennen fixiert. In Lauf 176 schwamm er in 54,53 eine weitere Besteit und auf Rang 13 von 260 Starten. In Lauf 196 schwammnen gleich zwei QTSVer. Martin schlug nach genau 56 Sekunden an (Rang 28), Sprinter Stefan nach 57,04 (Rang 46) (270 Starter). Isa freute sich im "kleinen" Pool über eine Saisonbestzeit von 1:10,08. Es folgten noch 400m Freistil der Frauen und noch die Staffeln der gemischten 4*50m Freistilstaffel. Erst nach Mitternacht standen die Läufe an. Pünktlch um 24.00 Uhr stellte aber die Zeitmessung erstmal ihren Dienst ein. Der Stimmung und der Einstelung tat dies keinen Abbruch. Die Zeit wurde mit Party überbrückt und es folgten noch zwei weitere TOP-Zeiten. Das Quartett in der AK 120-159 mit Martin, Christina, Isa und Christian landete in sehr guten 1:51,40 auf Platz 17 von 110 Teams. Im letzten Lauf bevor das Licht ausging, schwamm in einem Rennen, das ebenfalls in Erinnerung bleiben wird,das "junge" Quartett (AK 100-119) mit Stefan, Marianne, Tina und Andy in sehr starken 1:46,97 auf den sagenhaften vierten Platz vor. Als Schlussschwimmer holte Andy Meter um Meter auf und kam bis auf 28/100 Sekunden an die drittplatzierten Spanier heran - wirklich stark.

Der fünfte und letzte WK-Tag begann mit der letzten noch nicht geschwommen 200m Strecke. Erstmals durfte Heiko im Einzel auch im Pool 1 starten. Auch hier stand am Ende in 2:45,26 eine Saisonbestmarke, die Rang 10 bedeutete. Die letzten Einzelstarts bestritten Marianne und Stefan. Für Marianne war auch gleichzeitig ihr einziges Einzelrennen. Beim vierten 50m Sprint kam sie auf 29,10 - Rang 14 in der AK 35 bei ihrer erten EM bei den Masters. 20 Jahre zuher war sie Titelträgerin mit der DSV-Nationalmannschaft bei der Elite-EM in Sheffield über 4*50m Freistil. Stefan sprintete die Strecke in 25,46.

Beendet wurde die Mammut-EM mit den 4*50m Lagenstaffeln. Vor sich langsam lichtenden Rängen erreichte das QTSV-Quartett der Damen in wiederum neuer Rekordzeit von 2:15,58 den tollen neunten Platz in der Besetzung Christina - sie schwamm als Startschwimmerin in 34,64 erneut Vereinsrekord - Isa, Tina und Marianne. Den Herren blieb es überlassen, das letzte EM-Rennen zu schwimmen. Stefan, Andy, Martin und Christian holten nach fünf langen und anstegenden Wettkampftagen noch einmal alle aus sich heraus und schlugen in sehr schnellen 1:53,16 als Sechste an. Christian flog dabei in 23,88 quasi über das Wasser. Leider wurde das Team aber wegen eines Wechselfehlers aus der Wertung genommen. Allerdings weiß bis heute niemannd, ob es der zweite, dritte der vierte Schwimmer war. Leichte Enttäschung zum Ende, die jedoch schnell verflog.

Am Ende freute sich das Team über EM Gold und Silber, je einen vierten, fünften und sechsten Platz und drei weitere TOP10-Plätze. Insgesamt 21 Platzierungen in den TOP20 - was insbesondere bei den erwähnten riesigen Startfeldern ein sehr großer Erfolg ist -kommen hinzu. Neu aufgestellt wurden im Aquatics Centre neun neue Kreisrekorde, vier Vereinsrekorde und zahlreiche Bestleistungen. Bei der abschließenden vereinsinternen Abschlussparty beginennd in einem Londoner Pub wurden die vergangenen Tage ausgiebig analyiert und befeiert. Alle waren sich enig, dass ein über gesamte EM gelebter Teamgeist, die umfassende Vorbereitung - mit einem erstmals vereinsintern im März durchgeführtem Trainingslager als zemtralem Fundament - die eigene Motivation selbst und vieles mehr, diese EM so einzigartig machten. Die vieldiskutierten Schlangen und das Warten konnte man vermeiden, wenn man sich informierte und sich auf das System einliess. Tat man dies, war man erfolgreich, tat man dies nicht, hatte man keinen oder weniger Erfolg.

Das QTSV-EM-Team dankt Christian Gärtner für die Trainngsvorbereitung, der Artländer Bädergesellschaft, dem TuS Blau-Weiß Lohne, PhsysioFit, OggelzTextilchirurgie und der Leitung der Schwimmabteilung für die Untersützung sowie den Familien für die entgangene Zeit.